{"id":1985,"date":"2016-01-24T15:46:16","date_gmt":"2016-01-24T14:46:16","guid":{"rendered":"http:\/\/horstth.de\/?p=1985"},"modified":"2023-07-31T18:16:57","modified_gmt":"2023-07-31T16:16:57","slug":"zentralperspektive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/horstth.de\/?p=1985","title":{"rendered":"Zentralprojektion zur MS-DOS-Zeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/horstth.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Trinita_Masaccio_3_Augpunkte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1986\" style=\"border: 1px solid black;\" src=\"http:\/\/horstth.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Trinita_Masaccio_3_Augpunkte-1024x727.jpg\" alt=\"Trinita_Masaccio_3_Augpunkte\" width=\"770\" height=\"546\" srcset=\"http:\/\/horstth.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Trinita_Masaccio_3_Augpunkte-1024x727.jpg 1024w, http:\/\/horstth.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Trinita_Masaccio_3_Augpunkte-300x213.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><\/a>Das Stichwort <a title=\"Fluchtpunkte\" href=\"http:\/\/horstth.de\/?p=1942\">Zentralperspektive<\/a> erinnert mich an Computerspielereien aus dem MS-DOS-Zeitalter &#8211; Programme zur Zentralprojektion zu schreiben und damit &#8222;realistische&#8220; 3D-Bilder zu erzeugen. Sehr realistisch waren die Bilder nicht, sie sind eher von sentimentalem Wert.&nbsp; Anlass war eine Studienfahrt nach<span style=\"color: #333333;\"> <strong>Florenz<\/strong><\/span>. Meine Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mussten zur Vorbereitung Referate \u00fcber die Bedeutung und die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt ausarbeiten und vortragen &#8211; unter anderem \u00fcber<span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #333333;\"> <strong>Masaccios Trinit\u00e4tsfresko in der Kirche Santa Maria Novella<\/strong><\/span>.<\/span> Genauer gesagt, \u00fcber die zentralperspektivische Darstellung in diesem Gem\u00e4lde. Masaccios Gnadenstuhl-Fresko ist ja bekanntlich das erste Bild, in dem die Regeln der Zentralprojektion korrekt angewandt wurden. Ich fand das Thema interessant. Hier mein Beitrag dazu:<!--more--><\/p>\n<p>Im Informatikunterricht der Schule war gerade das Programmieren von Grafiken in Mode. Ich lag also damals voll im Trend mit meinem Versuch,&nbsp;Masaccios Darstellung mit Turbo-Pascal und pixeliger VGA-Grafik nachzuempfinden. Zur Vereinfachung setzte ich den fiktiven Kapellenraum des Bildes aus Quadern zusammen, mehr wollte ich mir an mathematischem Aufwand nicht antun. Die Eckpunkte der Quader wurden als Daten im Programm gespeichert und von diesem in die Bildebene umgerechnet, dann die Bildpunkte der Quaderecken durch Geraden miteinander verbunden.<\/p>\n<p>Das Programm war einfach, aber immerhin in der Lage, eine damals diskutierte Frage zu beantworten. Sie betraf den Fluchtpunkt der Darstellung. Der Fluchtpunkt des tats\u00e4chlichen Bildes liegt, wie man anhand der sich verj\u00fcngenden Kassettenquadrate an der Decke nachvollziehen kann, am Fu\u00dfe der Stufe, auf der Maria und Johannes (und das Kreuz Jesu ) stehen. Die Frage, die in dem Referat beantwortet werden sollte, war: W\u00fcrde sich die Aussage des Bildes ver\u00e4ndern, wenn dieser Fluchtpunkt h\u00f6her bzw. tiefer l\u00e4ge? F\u00fcr den Rechner war es kein Problem, (Quader-) <span style=\"color: #333333;\"><strong>Zeichnungen f\u00fcr drei verschiedene Augpunkt- bzw. Fluchtpunkth\u00f6hen<\/strong> <\/span>zu produzieren. Ich habe sie frei Hand zu (groben) Skizzen des Kapellenraums umgezeichnet und koloriert, siehe oben. Die durchgehende horizontale Gerade gibt die H\u00f6he des Aug- bzw. Fluchtpunkts an.<\/p>\n<p>Das reale Fresko entspricht der mittleren der drei Computerskizzen (Skizze 2). In den beiden anderen Computerzeichnungen w\u00fcrde der Betrachter entweder von unten (Skizze 1) oder von oben (Skizze 3) in die Kapelle blicken. Im ersten Fall fiele sein Blick direkt auf den Leichnam des Sarkophags, andernfalls auf den Kapellenboden.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsste nun in die kunsthistorische und theologische Diskussion \u00fcber dieses Bild eintreten. Das \u00fcberlassen wir Fachleuten. Als Laie kann man aber nachvollziehen, dass weder die Fokussierung auf den Sarkophag noch der Blick auf den nichtssagenden Boden der Kapelle die theologische Aussage des Bildes unterst\u00fctzen. Im Original (Skizze 2) f\u00e4llt der Blick des Betrachters zwar zun\u00e4chst auf die Stufen der Kapelle, wird aber dann durch die Stifterfiguren und die Gesten von Maria und Johannes auf die zentrale Darstellung von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist (der Taube) gelenkt. Danach wird er von dem Rundbogen \u00fcber dem Eingang der Kapelle aufgefangen. Das Bogengew\u00f6lbe ruht auf S\u00e4ulen mit ionischen Kapitelen, die von&nbsp; kannelierten Pilastern flankiert werden. Das sind Stilelemente eines r\u00f6mischen Triumpfbogens, also Zeichen von Ruhm und Ehre. Masaccios Fresko kann man damit auffassen als Doxologie, gestaltet mit den Mitteln der Zentralperspektive. Es ist wohl zu Recht ein Meilenstein der Kunstgeschichte.<\/p>\n<p>Ein Referat, wie von den Sch\u00fclern\/Sch\u00fclerinnen verlangt, habe ich nicht gehalten. Es w\u00e4re auch nicht sehr \u00fcberzeugend gewesen. Denn die Ergebnisse, die ich dem Computer damals entlockte, waren ja eher bescheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Das Stichwort Zentralperspektive erinnert mich an Computerspielereien aus dem MS-DOS-Zeitalter &#8211; Programme zur Zentralprojektion zu schreiben und damit &#8222;realistische&#8220; 3D-Bilder zu erzeugen. Sehr realistisch waren die Bilder nicht, sie sind eher von sentimentalem Wert.&nbsp; Anlass war eine Studienfahrt nach Florenz. 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